Pesach

Von Nisan bis Adar: Die Reise durch den jüdischen Kalender



P E S A C H

Eltern-Kind Beziehungen

"Du sollst es deinen Kindern einschärfen"

Dies ist die praktische Interpretation der Vorschrift, sich so zu betrachten, als sei man selbst aus Ägypten ausgezogen.

Eltern-Kind Beziehungen heute

Die Befreiung aus der Knechtschaft in Ägypten ist die Wurzel jeder Befreiungsbewegung, so wie die Versklavung und das Exil der Vergangenheit die Charakteristika aller Exile des jüdischen Volkes symbolisieren.

Deshalb sind jüdische Familien so sorgfältig bei der Beobachtung der Zeremonien: der Entfernung des Chametz und seiner Verbrennung gemeinsam mit der Feder, mit der es zusammengefegt wurde und der (unschuldigen) Kerze, deren Licht die häuslichen Unzulänglichkeiten zeigte; das Essen der Matzot mit den bitteren Kräutern; das Trinken der vier Becher Wein und das Füllen des fünften Bechers für den Propheten Elias; das Folgen der Seder - "Ordnung" in allen Details.

Wie schön ist der Tisch gedeckt, mit dem besten Tischtuch und dem schönsten Geschirr, wie bewegend sind die religiösen Lieder, die seit Jahrhunderten gesungen werden, wie gedenken alle der Befreiung als seien sie selbst unter den Erlösten gewesen.

Die Schwierigkeiten

Dennoch, unter all diesen erfrischenden Mitzwot, die ein wahres Gedenken erlauben, gibt es ein Gebot, das heutzutage schwierig wurde. Aber ohne diese Mitzwa verliert Pesach seine Bedeutung: die Bedeutung von "Du sollst es deinen Kindern einschärfen."

Wenn wir uns weiterhin auf die gesamte Erlösung vorbereiten wollen, müssen wir der Beziehung, die wir mit unseren Kindern haben, eine neue Bedeutung geben. Wir müssen die Kommunikation anregen. Wir müssen eine Atmosphäre schaffen, in der Fragen erlaubt sind, das "Und wenn dich dein Sohn fragt", und wir müssen die richtigen Antworten haben.

So wie der Erziehungsprozess, der schliesslich zur Befreiung und Erlösung führen wird, nicht in einer einzigen Nacht bewältigt werden kann, so muss das "Du sollst es deinen Kindern einschärfen" mit der Geburt beginnen und immer gegenwärtig sein. Zu Pesach wird das heiligste Epos für jeden Menschen erzählt: jenes vom Kampf um die Freiheit. Und seine Zeremonien sind eine Übung der Freiheit.

Ma Nischtana

Der Stil des "Ma Nischtana" gibt Ursache für Gedanken und regt Fragen an, die eine prompte Antwort verlangen.

In diesem Dialograhmen spielt es nur eine geringe Rolle, ob ein Kind ein "Chacham" ist - ein Weiser - oder ob es "nicht zu fragen versteht" oder "böse" ist, denn die Familie ist Familie über allen kulturellen oder moralischen Chrakteristiken ihrer Mitglieder.

Es macht auch nichts, wenn das "Du sollst es deinen Kindern einschärfen" von den Kindern ausgeführt wird, die die Erwachsenen lehren, was diese vergessen haben. Wenn der Dialog bereichernd sein soll, muss er frei und unbeschränkt geführt werden.

Nicht zufällig spricht die Tradition zu Pesach über den Besuch des Propheten Elias, denn nur durch Dialog und Lehren wird die Prophezeiung des Maleachi (3,23) wahr werden:

"Siehe, ich sende euch den Propheten Elias, ehe mein Tag kommt, der grosse und furchtbare. Er wird das Herz der Väter wieder den Söhnen und das Herz der Söhne wieder ihren Vätern zuwenden, dass ich nicht komme und das Land mit dem Banne schlage."

"Du sollst es deinen Kindern einschärfen"

"Wenn dich dein Sohn künftig fragt: Was bedeutet dies?, so sollst du ihm sagen: Mit starker Hand hat uns der Ewige aus Ägypten, dem Hause der Knechtschaft, hinausgeführt." (Schemot 13,14)
"Du sollst deinem Sohn an diesem Tage folgendes kundtun: Es geschieht um dessentwillen, was mir der Ewige bei meinem Auszug aus Ägypten getan hat." (Schemot 13,8)

Die Form des Festmahles war festgelegt. Die Männer pilgerten mit ihren Söhnen aus dem ganzen Land nach Jerusalem. Nahe der Stadtmauer fanden sie Ställe, in denen sie reine Schafe und Rinder erstehen konnten, um den Seder mit ihren Familien zu feiern.

In einer beeindruckenden Ordnung arbeiteten die Priester und Leviten mit ihren Helfern, um bei den zehntausenden Tieren Dienst zu tun, die in speziellen Öfen in den Strassen Jerusalems gebraten und von den Gruppen gegessen wurden. Der Talmud berichtet, dass die Preisgesänge, die von den Gruppen angestimmt wurden, so freudig waren, dass sie die Dächer teilten.

Nach der Zerstörung des Tempels, als das Pesachopfer nicht länger dargebracht werden konnte, erhielt das Pesachfest eine sogar noch grössere Bedeutung hinsichtlich des Wunsches, von römischen Joch frei zu sein, nach Eretz Israel zurückzukehren und den Tempel wieder aufzubauen.

Der Brauch, sich beim Trinken der vier Becher Wein zurückzulehnen, wurde eingeführt, mit einem Segen fuer jeden Becher. Am Vorabend des Pesachfestes wurde es üblich, nicht nach drei Uhr Nachmittag zu essen, um das Gebot, die Matzot mit gutem Appetit zu essen, erfüllen zu können. Der erste Becher wird eingeschenkt, Kiddusch über den Wein gesagt, Matzah und Maror werden gegessen, Maror in Charosset eingetunkt. Wir essen zwei Arten von Speisen, eines für das Pesachopfer und eines für das Festopfer.

Die Verbindung

Nach so vielen ungewöhnlichen Handlungen, konmmt langsam die Zeit für das Kind, zu fragen: Ma Nischtana? Was unterscheidet diese Nacht von anderen Nächten? Der Vater antwortet gemäss der Fähigkeit des Kindes, zu verstehen. Und er beginnt mit dem beschämenden Satz:

"Einst waren unsere Vorväter Götzendiener ..."
Die Erzählung wird mit dem Preisen der Befreiung aus der Knechtschaft beendet. Wir rezitieren das Birkat HaMazon - das Tischgebet - und mit dem vierten Becher schliessen wir das Hallel ab, das wir vor dem Mahl begonnen haben.



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